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Der dreifach diplomierte Idiot

Die Heilige Dummheit

"Der dreifach diplomierte Idiot"
Das Phänomen Erich Spießbach

9. Februar bis 04. Mai 2014

Jemanden als verrückt und schwierig zu bezeichnen ist leicht, doch wenn diese Person dann auch noch Intellekt besitzt, wird es schwer. Erich Spießbach war anders als seine Zeitgenossen, eckte an und stritt. Die Lebensgeschichte von Erich Spießbach, die im Kunsthaus Kannen ab dem 09. Februar 2014 bis zum 04. Mai. 2014 gezeigt wird, stellt nicht nur ein Leben eines hochbegabten Menschen, sondern den Umgang mit psychisch Kranken im Dritten Reich und in der Nachkriegszeit, der Debatte der Archäologie und familiärer Problematiken in dieser Zeit dar.
Diese Ausstellung zeigt den Künstler aus mehreren Perspektiven. Der Maler, Zeichner, Archäologe und Essayist fiel sein Leben lang auf und aus seiner Rolle heraus. In neu entdeckten und bekannten Dokumenten, Briefen und Abhandlungen zeigt er wie er den Umgang mit seiner Person und den Probleme, die er immer wieder hatte, verarbeitete und dagegen anging. Vor allem die Bleistift- und Tuschzeichnungen, Selbstportraits, Plakate und Satirezeichnungen zeigen einen Menschen, der nicht als verrückt, aber anders gesehen werden wollte. Sein Weg durch psychiatrische Behandlungen begann mit seiner Stellung am Westfälischen Landesmuseum für Vor- und Frühgeschichte in Münster. In seiner Arbeit wurde schnell seine große Liebe zum Detail erkannt, aber auch sein streitlustiges Gewesen kam immer mehr zum Vorschein. Nach vielen Auseinandersetzungen kam es dann zur fristlosen Kündigung und einem Prozess, der mit einem Gutachten zu seinem geistigen Zustand endete, welches ihn direkt in psychiatrische Krankenhäuser brachte.
Der Titel der Ausstellung „Der dreifach diplomierte Idiot“ – wie er sich auch selbst bezeichnete – bringt dies genau auf den Punkt. Sein Werk ist ein wunderbares Beispiel für eine Zeit in denen Menschen mit psychischen Problemen lieber aus der Gesellschaft ausgeschlossen wurden als sich mit ihnen auseinanderzusetzen. In seinen Werken geht er provokativ mit dem politischen Geschehen seiner Zeit und den sozialen Entwicklungen um.

Geboren wurde Erich Spießbach im November 1901 in Gotha. Durch eine Lehre als technischer Zeichner, die er schon früh begann, wurde er an eine künstlerische Fertigkeit herangeführt. Sein Interesse an Kunst, Kultur und Geschichte hatte er schon von Beginn an. Er arbeitete von 1925 bis 1928 im ehemaligen Heimatmuseum als Restaurator und wechselte 1928 an das Westfälische Landesmuseum für Vor- und Frühgeschichte in Münster. Dort bekleidete er eine Hilfstätigkeit, die sein Talent zum Vorschein brachte. In dieser Zeit zeigten sich auch erste Symptome seiner psychischen Erkrankung. Nach mehreren beruflichen Auseinandersetzungen wurde er 1943 fristlos gekündigt. Im Zuge des Verfahrens auf Widerspruch gegen die Entlassung wurde in einem Gutachten die Diagnose einer ‚psychopatischen Persönlichkeit‘ und einer schweren Veränderung des Charakters mit eingeschränkter Urteilsfähigkeit festgestellt. Er durchlebte mehrere Krankenhausaufenthalte in verschiedenen psychiatrischen Kliniken. Nach seiner Erkrankung an Tuberkulose kam er 1951 in die Obhut von Dr. Manfred in der Beeck. Durch ihn war es für Spießbach endlich möglich sich in seinem künstlerischen Drang voll auszuleben. In kürzester Zeit entstand der Großteil seiner Arbeiten. Über 300 Arbeiten schaffte er in einem wahnhaften Anfall von Eifer und Kreativität.  

Bei einem seiner nächtlichen Fluchtversuche aus der Klinik stürzte er so schwer aus einem Fenster, dass er an den Folgen seiner Verletzungen im Oktober 1956 verstarb.

 

Zum Erwerb steht ein Katalog von der Stiftung Schloss Friedenstein in Gotha. Dieser kann bei uns im Museumsshop für 15 Euro erworben werden.

Die Ausstellung im Kunsthaus Kannen entstand durch die Kooperation mit der Sammlung in der Beek und Stiftung Schloss Friedenstein in Gotha.

Nächster Ausstellungsort wird das Krankenhaus Museum, Klinikum-Bremen Ost sein!

 Flyer zur Ausstellung

Fotogalerie: Ausstellungseröffnung 9.2.2014

Stiftung Schloss Friedenstein Gotha

Presseartikel zur Ausstellung:
Westfälische Nachrichten Artikel , 30.01.2014
Westfälische Nachrichten , Februar 2014
MZ , Januar 2014
MZ, Februar 2014